Dienstag, 7. Oktober 2025

Der scheidene Sommer

Der scheidende Sommer

Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.

Die Gipfel des Waldes umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.


Mir ist, als müsst ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsere Abschiedsstund‘.


Ich musste von dir scheiden,
Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der sterbende Wald.

Heinrich Heine

  
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Sonntag, 5. Oktober 2025

Stilles Reifen


Alles fügt sich und erfüllt sich,
musst es nur erwarten können
 
 
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
 
Bis du eines Tages jenen
reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte
in die tiefen Speicher führest.
 
Christian Morgenstern
 
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Mittwoch, 1. Oktober 2025

Die letzten Blüten

 

Die letzten Blüten spreizen

ihre bunten Blätter

der Sonne entgegen.


Nur ein Schmetterling

hält noch Einkehr,

freudig die Flügel schwingend.

In der Nacht friert es.

Die Bäume ächzen,

überlassen ihr Laub dem Wind.


Der Mond ist müde.

Sein Gesicht hüllt er

in weißen Nebel.

Doch überall schweben noch

die Träume des Sommers,

unruhig und verschwommen.

 

 

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Gedicht: Verfasser oder Verfasserin leider unbekannt